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erstellt am: 22. 12. 09, 17:25 Uhr
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Ist das Gesetz des Christen Lebensregel?
Diese Frage findet ihre schriftgemässe Beantwortung, wenn die Stellung des wahren Christen zum Gesetz, die aus vielen Stellen des Wortes Gottes hervorgeht, erfasst wird.
Das Gesetz ist die Mindestforderung Gottes an den Menschen. Wegen seiner Kraftlosigkeit aber vermag er sie nicht zu erfüllen. Der wiedergeborene Christ ist durch die Gnade Gottes auf Grund des Werkes Christi in eine neue Stellung zu Gott gebracht. Stand er einst von Natur als Mensch im Fleische, unter der Botmässigkeit des Gesetzes, so darf er nun durch das Wort wissen, dass der alte Mensch vor Gott im Tode Christi sein Ende gefunden hat und er eines anderen geworden ist, "des aus den Toten Auferstandenen". Er ist nicht mehr im Fleische, sondern im Geiste. Der Geist Gottes wohnt in ihm und leitet ihn. In Römer 8 wird gesagt, dass "das Recht (die gerechte Forderung) des Gesetzes" erfüllt wird in denen, die nicht nach dem Fleische, sondern nach dem Geiste wandeln.
Das Gesetz ist nicht die Lebensregel der Christen. Er erfüllt es, indem er im Geist und in der Liebe wandelt. Das Muster und Vorbild für das Leben des Christen ist unstreitig Christus selbst. Paulus sagt: "Auf dass auch das Leben Jesu an unserem sterblichen Fleische offenbar werde" (2. Kor 4,11). Möge es mehr bei uns der Fall sein! Petrus erinnert: "Christus hat für euch gelitten, ein Beispiel hinterlassend, auf dass ihr seinen Fussstapfen nachfolgt", und Johannes mahnt: "Wer da sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt hat." Zu sagen, das Gesetz sei die ganze Regel von Christi Wandel gewesen, heisst die Gnade leugnen, dass Er als Gott auf Erden gegenwärtig war.
Es könnte gefragt werden: Wie können wir Seinem Beispiel in der Güte nachfolgen? Aber gerade das ist es, was wir zu tun berufen sind. Die Bergpredigt ist nicht eine Vergeistigung des Gesetzes. Es wird darin von Mord und Ehebruch gesprochen, doch von welchen anderen Geboten ist in ihr die Rede? Und selbst diese Verbrechen werden nicht als ein Teil der zehn Gebote behandelt. Dann hätte der Herr Seinen Willen nicht in Gegensatz zu ihnen stellen und sagen können: "Ich aber sage euch." Gottes Handlungsweise in Gnade aber ist uns schon in der Bergpredigt ausdrücklich zum Muster gegeben: "Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist" (Mt 5,48). Er lässt regnen auf Gerecht und Ungerechte; Er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen; Er liebt die, die Ihn nicht lieben. Der Herr stellt seinen Zuhörern vor, was erforderlich ist, wenn sie ins Reich eingehen wollen. Auf die zehn Gebote wird nicht verwiesen. Aber weit entfernt davon, das, was zu den Alten gesagt worden ist, als Lebensregel zu nehmen, gibt Er in der Bergpredigt Seine eigene Ansicht wider über sittliche Grundsätze im Gegensatz zu allem, was zu den Alten gesagt war.Des Vaters Handlungsweise in Gnade wird ausdrücklich als unsere Regel vorgestellt, und das ist gewiss nicht das Gesetz.
In Epheser 5 lesen wir: "Seid nun Nachahmer Gottes als geliebte Kinder, und wandelt in Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch." Wir sollen einander vergeben, gleichwie auch Gott in Christus uns vergeben hat (Eph 4,32). Dies ist nicht Gesetz, vielmehr wird uns ein Grundsatz vorgestellt, der zeigt, dass die Lebensregeln des Christen im Beweggrund und Massstab des Herzens über das Gesetz hinausgeht. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", sagt das Gesetz; wir aber sollen uns ganz für andere hingeben, Gott zum Opfer, wie Christus es tat, unser Leben für die Brüder lassen. Die Liebe zu sich selbst ist nicht das Mass der Liebe zu den anderen, wir sollen uns selbst für andere aufopfern.
Weiter heisst es in Kolosser 3,12-13: "Ziehet nun an, als Auserwählte Gottes, als Heilige und Geliebte: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut, einander ertragend und euch gegenseitig vergebend, wenn einer Klage hat wieder dem anderen; wie auch der Christus euch vergeben hat, also auch ihr." Ebenso in Philipper 2: "Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war", und dann wird gezeigt, wie Er, da Er in Gestalt Gottes war, sich selbst zu nichts machte, wie Er sich erniedrigte und gehorsam ward bis zum Tode. Die Arte oder Regel des Lebens des Christen ist Christus selbst, und zwar in vergebender Niedriggesinntheit und Gnade.
Es ist verwerflich zu leugnen, dass Christus unsere Lebensregel sei, das Muster so weit zu erniedrigen, dass man es im Halten des Gesetzes findet. Die Worte: "vergebet", "darum seid vollkommen, gleichwie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist", stempeln die Behauptung, das Gesetz sei des Christen Lebensregel, zu einer verwerflichen Verleugnung des praktischen Christentums. Christus, wie Er in Gnade wandelt, ist unser Muster und Vorbild. Der Grundsatz des Gesetzes ist anders. Es
verlangt Liebe von uns, und zwar eigentlich vom Fleisch; denn es herrscht über den Menschen, solange er lebt.
Der Hauptgrundsatz des christlichen Lebens ist der neue Mensch und der in uns wohnende Heilige Geist. Die Lehre von der Befreiung von der Sünde, von der Macht der Sünde, gründet sich nicht auf ein Gesetz, das etwas fordert, das im Gegensatz zu der Sünde steht, sondern auf die Wahrheit, dass wir mit Christus gestorben sind und den alten Menschen ausgezogen haben. In Römer 6 wird diese Frage erörtert, und es heisst: "Wir, die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben? ... indem wir dieses wissen, dass unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, auf dass der Leib der Sünde abgetan sei." Das ganze Kapitel ist eine Abhandlung über diesen Gegenstand. Und die Ursache, aus welcher die Sünde nicht Macht über den Christen haben wird, ist, dass er nicht unter Gesetz ist; es wird gezeigt, dass der Gehorsam gegen Gott in einer neuen Natur den Platz des Gesetzes einnimmt. Wir sind "dem Gesetz getötet worden durch den Leib des Christus, um eines anderen zu werden, des aus den Toten Auferweckten" (Rö 7,4). An die Galater schreibt der Apostel: "Ich bin durch das Gesetz dem Gesetz gestorben, auf dass ich Gott lebe; ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir."
Das Gesetz ist ein Dienst des Todes und der Verdammnis (2. Kor 3,7.9). Nach 1. Korinther 15 ist das Gesetz die Kraft der Sünde (Vers 56), und nach Römer 7 wirken die Leidenschaften der Sünde durch das Gesetz (Vers 5). Es ist nebeneingekommen, damit die Übertretung überströmend würde. Es wurde der Übertretungen wegen hinzugefügt, bis der Same käme, dem die Verheissung gemacht war (Gal 3,19). Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Die sorgfältige Belehrung des Apostels will zeigen, dass wir nicht unter Gesetz sind und dass der Weg der Heiligkeit nicht das Gesetz ist, sondern darin besteht, dass wir der Sünde gestorben, dass wir mit Christus gestorben sind und dass Er in uns lebt.
Nach Römer 7 können wir nicht zwei Männer gleichzeitig haben, das Gesetz und den auferstandenen Christus. Wie wäre es auch möglich, nicht unter Gesetz zu sein und es dennoch als Lebensregel zu haben?
Quelle: "Ermunterung und Ermahnung" 1973
Liebe Grüsse
Waldemar