Misch dich ein! #1 - Die Motivation
In dieser Serie geht es um den Lebensgewinn sich bei Mitmenschen ins Leben einzumischen. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem beim sich Einmischen unter uns Christen und nicht auf Zivilcourage.
Heute sind es vielleicht noch die Eltern die einem ab und zu ins Leben reden. Sich einmischen, was man tut und korrigiert. In der Schule bekommt man Bewertung anhand von Noten für seine Leistungen.
Wer würde es sich heute noch anmassen, andere zu ermahnen?
Unsere Gesellschaft lehrt uns auf Schritt und Tritt, dass die Erfahrung und die Meinung des Einzelnen nicht zu hinterfragen und damit zu respektieren ist. Mitmenschen zu ermahnen ? dazu steht niemand.
Achtung sich in das Leben anderer Einzumischen oder zu ermahnen, bedeutet nicht, dass wir andere Menschen verurteilen.

Quelle Bild: nikodemus.net
Die Bibel berichtet uns oft davon, dass einzelne Christen oder ganze Gemeinden ermahnt werden. Zum Beispiel wird die Gemeinde in Derbe von Paulus und Barnabas ermahnt:
Natürlich lebten diese beiden Apostel in einer anderen Zeit. Doch wird auch vor 2000 Jahren das Ermahnen nicht ganz ohne negativen Beigeschmack gewesen sein. Wie also kommen Paulus und sein Mitstreiter dazu, andere zu ermahnen?
Ich denke, dass das Recht zu ermahnen nur durch eine besondere Glaubwürdigkeit zu legitimieren ist. Nur weil die Apostel selbst gute Vorbilder in einem starken und aufopferungsvollen Glauben waren, hatten sie das Recht, andere zu ermahnen, es ihnen gleichzutun.
Wenn ich mich ins Leben anderer aus der Jugendgruppe oder Gemeinde einmischen möchte, benötige ich neben dem vorbildlichen Leben auch eine gemeinsame Basis. Diese Basis ist die Bibel. Umso wichtiger ist für mich also, dass ich die Bibel kenne und in meinem Herzen trage. Und die Bibel auch für mich ernst und verbindlich nehme und mich danach richte.
Dietrich Bonhoeffer sagte sogar einmal ?Du musst die Bibel auch gegen dich selber lesen?.
Wie oft sehe ich den Splitter im Auge meines Bruders, aber meinen eigenen Balken im Auge sehe ich nicht? Die Bibel sagt hier nicht, wir sollen den Splitter nicht sehen, sondern uns vor allem auch bewusst machen, dass wir selber auch Sünder sind. Ein begnadigter Sünder, spricht mit einem begnadigten Sünder.
Die Bibel ist für mich mehr als ein Text zwischen zwei Buchklappen, wie es sie millionenweise am Kiosk oder in Buchhandlungen gibt. Ich erlebe durch diese Wortflut eine unglaubliche Inflation der Worte. Wie schnell gehen da die Worte der Bibel Worte unter neben den vielen anderen. Ich wünsche mir von der Bibel regelrecht ?durchdrungen? zu sein.
Das Wort Gottes will in mein Herz hinabdringen, Wurzeln schlagen und mich als ganze Person durchdringen, so dass ich zu einem anderen Menschen werde. So werde ich in den Begegnungen mit Menschen, in der Jugendgruppe, in der Gemeinde, bei der Arbeit, usw. auf eine ganz neue Art etwas zu sagen haben.
Thomas Dauwalter
Ich möchte andere Menschen im positiven prägen, darum mische ich mich ihn ihr Leben ein! Das was ich in meinem innersten trage und mich geprägt hat, kann auch andere Menschen verändern und prägen.
Damit ich mich wirklich zum guten bei meinem Mitmenschen einmischen kann, muss ich die Bibel verinnerlicht haben. Ich muss sie mit dem Herz erfassen und nicht nur mit meinem Verstand. Ich muss nach ihrem tieferen Sinn suchen und die Verse nicht aus dem Kontext reisen.
Sonst verkommt sie zu einem ?Moralkodex?, einem Ethikhandbuch, mit dem wir andere zurechtweisen und viel Schaden anrichten können, anstatt ?zurechtzulieben?.
Solch eine gute Art von sich in das Leben anderer einzumischen kann viel Gutes bewirken und Mut machen, dabei zu bleiben.
Kolumne ist inspiriert durch einen Studientag mit Thomas Dauwalter
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Ich kann den Artikel nur unterstreichen. Wir leben heute in einer Zeit, in der es Tabu ist, anderen Menschen ins Leben zu reden. Eine grosse Herausforderung für uns Christen!
Jesus hat in den letzten Monaten sehr an mir gearbeitet, dass ich nach und nach meine Verantwortung erkannt habe, Glaubensgeschwister zurecht zu weisen, wenn ich sie sündigen sehe. Hier tragen wir Verantwortung vor Gott!
Diese Tage habe ich ein Erlebnis gemacht, welches mich tief beeindruckt hat. Ich vermutete bei jemandem eine verborgene Sünde. Natürlich dachte ich zuerst; "das geht mich gar nichts an". Doch sprach Gott zu mir: "Wenn dies wirklich stimmt, und du sagst nichts, ist dies nicht lieblos?" Zwei Tage kämpfte ich mit mir selber. Bis ich es nicht mehr aushielt. Der Geist Gottes drängte mich derart, jetzt zu dieser Person zu gehen und sie darauf anzusprechen. Dabei wusste ich ja nicht mal, ob es der Tatsache entspricht. Eigentlich sprach alles gegen mich. Ich erwartete, dass mir diese Person alle Schande sagt, dass ich sowas über sie denke, dass sie es abstreitet, oder weiss ich was.
Nichts von all dem! Die Person sagte, sie sei sehr froh, dass ich sie darauf angesprochen habe, ich sei eine Gebetserhörung. Die Person war in tiefer Not mit ihrer Sünde und wollte einen Strich darunter ziehen, wusste nicht wie, und hatte auch den Mut nicht, auf jemanden zu zugehen und darüber zu sprechen.
Wir konnten zusammen beten und die Vergebung Jesu in Anspruch nehmen.
Ich bin mir jetzt bewusst, dass ich eine Sünde begangen hätte, wenn ich nicht auf den Geist Gottes gehört hätte und die Person nicht angesprochen hätte. In den Augen Jesu hätte ich die Person gehasst, weil es mir egal gewesen wäre, wenn sie in ihrer Sünde verzweifelt wäre.
Letztendlich war es die Liebe Jesu, die mich dazu gedrängt hat, Schuld anzusprechen.
Wir sind ein königliches und priesterliches Geschlecht (1.Petrus 2:9)! Nehmen wir doch unseren priesterlichen Dienst wahr! Wir sind nicht Sittenpolizei, sondern Priester, denen alles daran gelegen ist, dass Menschen aus der Verstrickung der Sünde befreit werden! Es ist kein Besserwisserdienst, sondern ein Liebesdienst, den wir aber nur ausüben können, wenn wir selbst rein sind (aus der Vergebung leben) und wenn wir von der Liebe Jesu getrieben sind.
Möge Gott uns die Augen öffnen für diesen wichtigen Dienst!
Schöne Kolumne! Du greifst da ein sehr wichtiges und zugleich eines der schwierigsten Themen unter den Christen auf.
Auch ich habe meine Probleme damit, weil ich selbst viele Fehler (an anderen) sehe und diese aber nicht sagen kann oder teils darf. Daher habe ich es mir zum Ziel gemacht, so viel es geht erst einmal an mir selbst zu arbeiten. Und selbst eben dieses Vorbild zu sein. Nicht immer einfach, aber lehrreich.
Dennoch tut es auch weh, so viele Missstände zu sehen und sie nicht ansprechen zu können, weil viele Menschen sie nicht annehmen, sondern verachten würden und verletzt und/oder böse auf mich wären. Hierbei kommt es darauf an, auch in Liebe zu kritisieren. In diesem Bereich können sich sicher alle verbessern, ich auch. Aber: kritisieren!
Ich freu mich schon auf deinen zweiten Teil!
Ganz wichtig übrigens: Ich mag die ständige Missinterpretation von "Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet" überhaupt nicht. Ein Vorwand für alles, jegliche Kritik zu unterbinden - und wenn sie noch so richtig, wahr und wichtig ist. Das finde ich sehr traurig. Vielleicht greifst du das ja in den folgenden Teilen auf?
@ Methusalix: Sehr schönes Beispiel, danke!